Es ist Sonntag, der 7.7. Gut dass wir gestern noch zum Gletscher hoch gegangen sind. Heute schüttet es mal wieder, da ist nix mit Ausflug. Stattdessen machen wir „Versorgungstag“: mal wieder die Betten beziehen, Waschmaschine und Trockner vom CP nutzen. Online Banking. Und sehr leckere Apfelzimt-Schnecken backen. Fragt mich nicht nach einem Rezept, ich hab es auch einfach gegoogelt.

Seit fast 2 Monaten leben wir nun schon in unserem „Wowi“. Langeweile kam bis jetzt nicht auf. Seit wir die Lofoten bei tollstem Sommerwetter erleben durften, sind wir eigentlich ganz zufrieden. Wir haben nicht das Gefühl, unbedingt noch etwas bestimmtes sehen zu müssen. Das Wetter nervt manchmal, und ein paar dubbelige Zeitgenossen. Ansonsten treiben wir so ganz langsam Richtung Heimat.

Montag: ein letzter Blick auf den Gletscher. Dann fahren wir wieder. Bergen hat die nächsten 10 Tage 90% Regenwahrscheinlichkeit. Deshalb verzichten wir darauf. Geiranger genauso. Also peilen wir die Stabkirche in Borgund an. Auf dem Weg dorthin durch Fjaerland gefahren. Sehr schön, wegen Schlechtwetter keine Fotos. Am Sognefjord legen wir eine Mittagspause ein. In dem Ort Kaupanger macht Ulla ein Nickerchen und Hermann hält die Angel in den Fjord. Wieder nix gefangen. Der Sogne Fjord ist der größte von allen Fjorden, da können die Fische sich besser verstecken.😇 Die kleine Stabkirche am Ort besuchen wir nicht: so steil und eng, da kriegen wir den Wowi nicht gewendet. Auf dem Weg nach Lærdal: als wir am Ende des Tunnels ankommen, Überraschung: der endet direkt in der Fähre!

Den nächsten Stopp machen wir in Lærdal. Dieser Ort betreibt gemeinsam mit seinen Bewohnern nachhaltigen Tourismus. Er besteht aus 161 originalen Holzhäusern. Und wurde zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Im angrenzenden Fluss Laerdalselva konnte man früher Lachse mit der Hand fangen. Heutzutage sind die wilden Lachse streng geschützt. Eine Lizenz würde bis zu 1000 Euro kosten.

Danach fahren wir zur ältesten Stabkirche Norwegens. Statt die E16 zu nehmen, fahren wir die historische Straße. Den Kongensveigen, den Königsweg, der von Oslo nach Trondheim führte. Mal wieder kinoreife Ausblicke.

Als wir die Stabkirche in Borgund erreichen, sind sämtliche Plätze bis dahin schon mit Womos besetzt. Der eigentliche Besucherparkplatz für die Kirche durch Pylos zugestellt. Um unerwünschte Übernachtungen zu verhindern. Die sind laut Schilder verboten. Hält sich natürlich kein Touri dran. Genauso wenig wie ans Drohnenflugverbot. Hermann weist freundlich, aber bestimmt darauf hin. Murrend wird die Drohne eingepackt. Die Bilder hat er natürlich trotzdem. Wir machen ein paar Fotos von außen. Besichtigung schon geschlossen. Dann fahren wir weiter und finden einen tollen Rastplatz. Ausgesucht von Olav. Oder Oma. Jedenfalls gibt es 1 Regenbogengruss vom Himmel für uns.

Dienstag: Gut geschlafen, gut gefrühstückt. Wir wollen Richtung Fagerness. An der alten E16 schauen wir uns die Stabkirche in Øye an. Überhaupt gibt es an den alten Straßen immer sehr viel Schönes zu entdecken. Die neuen führen fast immer durch Tunnel. Hinter Leyra machen wir eine Mittagspause. Dann fahren wir zum Mjøsasee. Den überqueren wir bei Biri per Brücke nach Moelv. In Elversum finden wir einen ruhigen Schlafplatz für die Nacht. Mitten im Wald. Zur schwedischen Grenze ist es nicht mehr so weit.

Mittwoch: der norwegische Rhythmus: 1 Tag Sonne, 2 Tage Regen. Wir mögen nicht mehr und fahren die Route 25 bis Schweden. Die Grenze überqueren wir gegen 14:00 Uhr bei Sälen. Ein Wintersportstädtchen. Berühmt für den Start des historischen VASA-Laufs (90 km Skilanglauf) bis Mora. Und für sämtliche Wintersportarten. Sieht im Sommer grausig aus. Wir tanken endlich wieder günstig, kaufen ein und fahren bis Malung. Dort stehen wir 1 Nacht auf dem CP. Das Ehepaar aus Baden-Württemberg, das nach uns ankommt, erzählt in bestem Schwäbisch, „des se nu 4 Wocha unterwegs sin, duch Schweda bis no Drondhoim. Abr nu isch’s gnug mid Rega, nu wolla mir nur no hoim. Un wie lang seid ihr scho underwegs?“
Ich widerstehe der Versuchung in ostfriesisch Platt zu antworten. Stattdessen zucke ich mit den Schultern und sag: “ keine Ahnung. Wir sind am 12.5. gestartet, über Süd, Mittel- und Ostschweden nach Finnland rüber. Da die Ostgrenze hoch durch Karelien bis Lappland. Dann über Alta, Tromsö, Trondheim zu den Lofoten. Von da Atlantikstraße und Küstenweg bis Jostedal und jetzt nach hier.“
PAUSE.
Auch ich muss das erstmal gedanklich verarbeiten. 😊 Sagt er (typisch Kerl): „unn wieviele Kilomedr sind des so?“ Mein Hermann, der Reisebusfahrer, total trocken: „9000. Ungefähr.“ Als er dann noch per Knopfdruck die Stützen ausfahren lässt (was wieder diesen begehrlichen Glanz in die Augen des Schwaben zaubert), zieht die brave Hausfrau erst ihren Mann am Ärmel,wünscht uns einen schönen Abend und mit selbigen von dannen. 😇

Donnerstagmorgen fahren wir nach Värmland an den Vänernsee. In Sunne machen wir eine Pause. Stellen den Wowi auf einen Parkplatz und fahren mit dem Kuga erst zur Statue von Selma Lagerlöf. Anschließend zu ihrem Gutshof Mårbacka, ca. 10 km außerhalb von Sunne. Diese Frau wurde 100 Jahre vor mir geboren. Sie war eine sehr willensstarke, kluge und selbstbewusste Frau. Sie ließ sich gegen den Willen ihres Vaters in Stockholm zur Volksschullehrerin ausbilden. Dann lebte sie einige Jahre in Fallun. Als sie den Nobelpreis für Literatur erhielt, konnte sie mit dem Preisgeld das Familiengut, das wegen hoher Schulden verloren ging, zurück kaufen.

Dort lebte sie gemeinsam mit ihrer geliebten Freundin bis zu ihrem Tod. Zu Lebzeiten gründete sie eine Stiftung, mit dem Auftrag, das Mårbacka der Allgemeinheit erhalten bleiben soll.

Die wundervolle Geschichte des Nils Holgerson und seiner abenteuerlichen Reise mit den Wildgänsen kennt ja jedes Kind. Leider gibt es das nicht auf Deutsch zu kaufen im kleinen Laden von Mårbacka. Am Himmel zieht ein Gewitter auf. Wir machen uns schnellstens vom Acker. Holen den Wowi ab und fahren bis zum Vänernsee. Dort suchen wir einen schönen CP und werden fündig: ausgewanderte schweizer Betreiber – deutscher Standard…wenn das Wetter hält, machen wir hier Urlaub 😍

Yep, wir haben Glück. Karin und Roger, die beiden CP-Besitzer geben uns einen Platz unten am See. Eigentlich sind sie full booked. Aber wir dürfen bis Mittwoch bleiben.
Jetzt muss nur die Sonne auch solange bleiben…
Bis dahin könnt ihr, wenn ihr wollt, die Bilder dieser Woche anschauen 😊

