Nördlich vom Polarkreis

Finnisch für Dummies:

Hirv= Hirsch/ hirvi=Elch/Järvi=See/ Joki=Fluss/Ranta=Strand / Mäki=Hügel / Karhu=Bär/ kylä=Dorf

Hotelli, taksi, grilli, kahvi, aptheeki, erklärt sich selbst oder? Hotel, Taxi, Grillbude,Kaffee, Apotheke.

Ein panna kaka ist keine shice Auto Panne sondern ein Pfannkuchen 🤭 und salmi bedeutet Straße, nicht Salami. Also, hirvi salmi ist die Elchstraße. Elchsalami gibbet vielleicht beim Lidl.

Am Sonntag überschreiten wir bei dem schönen Monument eines Sámi-Tipis, das als Kota oder Laavu bezeichnet wird, den nördlichen Polarkreis. Nun gibt es keinen Sonnenuntergang/Aufgang mehr. Wir suchen einen Schlafplatz. Am Fluss gibt’s einen schönen, gut befahrbar. Kaum ist der Motor abgestellt, begehren Millionen Mücken Einlass in unseren Wagen. Wir steigen gar nicht erst aus. Auf einem Holzumschlagplatz hoffen wir auf weniger Mücken. Die finnische „Airforce“ stürzt sich mit allem was sie hat auf uns. Ulla macht in dieser Nacht kein Auge zu.

Montag ist der Inari See erreicht, stehen 2 Tage. Gasflaschen sind leer, aber in Finnland dürfen deutsche Flaschen nicht befüllt werden. Eine finnische zu kaufen, kurz vor der norwegischen Grenze, macht keinen Sinn. Nun haben wir nur noch die kleine Grill-Gasflasche.

Und zum ersten Mal müssen wir Geld vom Sparkonto nachschießen, weil Budget gerissen und zwar so richtig. Unsere Spritkosten im Juni bis jetzt 700 Euro. Und der Juni dauert noch bischen.

Finnland > teuer

Am Dienstagmorgen ist auf dem Platz Natoeinsatz. Zumindest hört es sich so an. Nachdem die Rollos oben sind: Erleichterung – unsere Mitcamper sind alle auf einmal abgereist. Nur der nette Witwer aus der Schweiz ist noch da. Seit gestern Abend ein neuer Fan in Hermanns Hydrauliksystem-Club (HHC)😂

Wir wollen den Tag nutzen, uns die Jäniskoski (koski=Stromschnellen) anzusehen. Der Weg dorthin ist barrierefrei. Wir sind nicht die einzigen, die heute hier unterwegs sind.

Zurück am Platz bereitet Ulla eine Linsensuppe aus allem Gemüse und Fleischeinlage vor, damit der Kühlschrank während der Fahrt nicht mehr laufen muss. So können wir Gas sparen. Als Hermann zur Kontrolle alle Flaschen wiegt, geschieht ein kleines Wunder: 1 große Flasche ist noch komplett voll. Na, da hat uns wohl der Inari Troll einen Streich gespielt🤪 aber die Linsensuppe ist megalecker!

Das Kajak fahren am Nachmittag wird gecancelt. Der Wind frischt auf, beim Anblick eines hüpfenden Fischerbootes verlässt uns der Mut. Eine halbe Stunde später setzt Regen ein, der macht nicht nur die „Nacht“ durch. Auch am nächsten Morgen trommelt es dem Wowi aufs Dach. Wir stehen einen Tag länger als geplant und schauen uns das Sámi Parlament „Sajos“ in Inari an. Dieses wurde zuerst in Finnland, danach auch in Norwegen und Schweden eingerichtet, um die speziellen Interessen der Sámi besser vertreten zu können. Die Vertreter der Sámi dürfen auch nur von Finnen mit nachweislich samischen Wurzeln gewählt werden. Sie haben keine Entscheidungsbefugnis, aber alle offiziellen Ämter müssen vor Entscheidungen, die speziell die Interessen der Ureinwohner betreffen, das Sámi Parlament konsultieren.

Das Sámi-Thing trifft sich 4-5mal im Jahr. Und jetzt ratet mal, wann die nächste Sitzung stattfindet? Jo. Genau. Heute. Wir durften rein, uns umsehen. Aber nicht in den Sitzungssaal, mucksmäuschenstill sein, Fotografierverbot. Fast wie im Bundestag eben. Auf Rentierleber mit Kartoffelpü in der Kantine hatten wir auch keine Lust. Aber im nächsten Supermarkt haben wir uns 1 Päckchen (=100g) Rentierschinken gegönnt. Was der kostet, wollt ihr nicht wissen.

Also, ab nach Hause. Kaffeetrinken, Kuchen essen. Morgen geht’s definitiv weiter. Richtung Norwegen.

Hei (Tschüss) Suomi, tervetuola (willkommen) Norge.

Donnerstag erreichen wir schon vormittags die norwegische Grenze. Den finnischen Regen ziehen wir wie eine Schleppe hinter uns her. So macht weder das Fahren noch das Fotografieren Spaß.

Am frühen Mittag wollen wir auf einem CP stehen bleiben. Der völlig vermatschte Platz, undefinierbare Sanitäranlagen- wir fahren direkt weiter. An der Tanke der nächste Schreck: Sprit ab 2,20€. Na toll.

Den nächsten CP finden wir über eine App. Bewertungen sind positiv. Hermann bucht, ohne sich den Platz auf der gegenüberliegenden Straßenseite anzusehen. Fehler. Der Platz ist eine Vollkatastrophe. Duschen müssen extra bezahlt werden. Keine Entsorgung. Für fast 40 Euro pro Nacht. Hermann lässt sich an der Rezeption das Geld zurück geben. Wollen die  natürlich nicht. Aber so ein stinksaurer ehemaliger Reisbusfahrer kann echt sehr überzeugend sein. Wir fahren Richtung Alta. Dort können wir unsere leere Gasflasche füllen. Und es soll einen schönen Campingplatz geben. Letzteres stimmt schon mal.

Nach diesem nervigen Tag schlafen wir wie kleine Eisbären. Nach dem Frühstück kümmern wir uns um das Befüllen unserer Gasflasche. Klappt, geht ratzfatz. Kostet allerdings doppelt soviel wie zu Haus. Touristen-Nepp überall. Das haben die reichen Norweger doch eigentlich garnicht nötig. Dann schauen wir uns noch die Nordlicht Kathedrale an.

Anschließend fahren wir zu den Felsmalereien ins Alta Museum. Weltkulturerbe. Die Felsritzungen wurden 1960 entdeckt. Sie sind zwischen 2000 und 7000 Jahre alt. Um sie besser sichtbar zu machen,  hat man einige mit rotem Ocker angemalt. Aber eigentlich sollen sie nur durch die jeweilige Lichteinwirkung sichtbar werden.

Bei bedeckten Himmel z.b. sind einige garnicht zu sehen. Wir können es nachspüren, warum die Menschen diesen Ort hier für heilig hielten. Nirgendwo in Skandinavien wurden mehr Felsritzungen gefunden als in Alta. Wir trinken am Ufer des Fjords einen Kaffee auf traditionelle Art. Eine nette junge Dame macht ein Foto von uns.

Dann gehen wir auf dem Pfad zurück, den vor 5000 Jahren schon andere Menschen vor uns gegangen sind. Hinauf zur „Natur“kirche. Der Blick auf den Fjord von da oben zum Niederknien.

Wegen dem schlechten Wetter gibt es diese Woche nicht so viele Bilder. Aber ein paar Bilder der Woche haben wir hinbekommen. 😀

Alta ist unser nördlichster Punkt. Nun fahren wir nur noch gen Süden. Für die, die sich wundern, dass wir Nordkap weglassen: da waren wir schon. Hermann gefühlt 1000mal. Und einmal im Leben reicht es wirklich 🙂

Übrigens: wenn du zur Mitternachtssonne am Inari See sitzt, um Erinnerungsfotos zu machen, dann bilde dir nicht ein, dass das wilde Winken von einem der trinkenden Letten gegenüber eine Einladung zum Herüberkommen und Mittrinken ist. Er versucht auch nur verzweifelt, die Milliarden Mücken zu verscheuchen. 😄 aber du kannst natürlich trotzdem zurück winken.

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