Hyvää päivää Finnland,

Tschüss Schweden…

(man spricht: heiwa peiwa und es bedeutet: Guten Tag)

Nach unserem ersten „Wildcampen“ fahren wir weiter Richtung Osten. Wir folgen einer alten Handelsstraße quer durch Lappland. Da die Samenkultur voll ist mit Geschichten von Riesen, Trollen und Elfen heißt sie ‚die Sagavägen‘. In Lycksele freuen wir uns auf eine typische Altstadt, aber werden enttäuscht. Die Altstadt besteht eigentlich nur aus einer Straße. Dafür viele Hochhäuser, die wir schon lange nicht mehr gesehen haben. Das Wetter erklärt sich solidarisch und lässt es in Strömen regnen. Wir fahren durch bis Umea.

Dort bekommen wir noch für den nächsten Tag einen Platz auf der Fähre nach Vaasa/Finnland. Hier angekommen erstmal die Uhr 1 Stunde vorstellen. Gezahlt wird in Suomi mit Euro. Die Sprache ist gewöhnungsbedürftig, lauter iis, ääs, öös. Also, nicht jeder Finne ist mit Vodka abgefüllt, wenn er mit dir spricht 🤭

Vaasa ist eine der ältesten Städte in Finnland, gegründet vom schwedischen König Karl Wasa. Wegen ihrer Geschichte ist die Stadt zweisprachig: schwedisch und finnisch. Wer hier aufwächst, spielt entweder Eishockey oder Fußball. 😄 Eine Besichtigung dieser Stadt fällt im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Der Regen fällt sturzbachmäßig vom Himmel. Safety first: wir halten auf dem nächsten Stellplatz. Kostenlos, mit Entsorgung, aber ohne Strom. Heizen und Kochen können wir mit Gas. Strom reicht mindestens 1 Tag.

Den nächsten Morgen beginnen wir mit einem anständigen Frühstück. Dann entscheiden wir, nicht die Küste entlang sondern mehr ins Landesinnere zu fahren. Es hat nämlich bis jetzt nicht aufgehört zu regnen. Und die Wetterapp macht uns auch keine Hoffnung auf Besserung. Iwann am späten Nachmittag erreichen wir Tampere. Finnland versöhnt uns mit Sonne und einem schönen Platz am See.  

Am nächsten Tag geht’s weiter Richtung Osten. Erreichen Jyväskyla. Geburtsort von Matti Nykänen, dem besten Skispringer aller Zeiten sowie dem Super Architekten Alva Alto. Nichts verlockt uns hier zubleiben. Ohne Pause geht es Richtung Kuopio. Ab Nachmittag versuchen wir einen Platz zum wildparken zu finden. Keine Chance. 20 km hinter Kuopio finden wir einen kleinen Campingplatz direkt am See (natürlich!) Die Sauna ist inklusive, aber leider kalt. Hermann der Reiseprofi beklagt sich bei der Rezeption. Wir dürfen zusammen später nochmal rein (eigentlich geschlechtergetrennte Sauna). Der nette Finne radebrecht auf Englisch „mit Badesachen auch gemischt Sauna“. Das wird ein herziger Abend 😃

Die beiden Kerle springen zum Abkühlen in den See, ich tunke nur meine Füße ein und geh lieber unter die Dusche. Als der Finne mit Hermann den Rest seiner zig Dosen Longdrinks teilen will, tritt der Gott sei Dank vorsichtig den Rückzug an.

Der Finne hat am nächsten Morgen mächtig Kopfschmerzen und bleibt noch. Wir zuckeln weiter Richtung Osten. Abseits der üblichen Touri-Strecke, aber auf einer offiziellen Straße, die sich als holperige Buckelpiste entpuppt. Das lässt den Wowi hüpfen wie einen Flummi und kostet uns ein Kühlschrankregal. Beim Öffnen der Schränke ist Kopf einziehen angesagt.

Wir sind in Nordkarelien, die russische Grenze ist nicht weit. Bei der himmlischen Ruhe können wir trotzdem gut schlafen.

Kilometerfressen ist nicht unser Ding. 2 Tage ausruhen am See haben uns gut getan.  Nun geht’s weiter Richtung Norden. Nachts wird es empfindlich kalt. Wir danken unserer fürsorglichen Nachbarin für warme Bettsocken.🤗👍

Wir machen kurz Stopp in einem kleinen Dorf mit typisch karelischer Bauweise: massiv Blockhaus, geteert und durch Malereien aufgehübscht. Russisch geprägt halt. Im nächsten größeren Ort ist ein Lidl. Wir machen unseren Kühlschrank voll, den Tank vom Kuga auch mal wieder. In Finnland schmerzen 24% MwSt. Auf unserem weiteren Weg besuchen wir auch das Stille Volk. Es handelt sich um mehr als 1000 Torfköpfe, so ähnlich wie unsere Vogelscheuchen. Der finnische Tanzkünstler Rejo Kela hatte sie zunächst für eine seiner Performance eingesetzt. Seit 1994 haben sie auf diesem Feld ein festes Zuhause. Eine Jugendwerkstatt in der Nähe zieht die Figuren 2mal im Jahr passend zur Jahreszeit an.

So gegen 17:00 sind wir bereits in Finnisch Lappland. Ein erstes Schild erklärt: hier Rentierzuchtgebiet. Nur 5 Minuten später haben wir ein Stelldichein mit 1 kleinen Herde auf der Straße. Aber diese unendlichen Wälder sind auch Wolfs- und Bärenland. Nur 125 km bis Russland = Stuhr-Hannover.

Gegen Abend steuert Hermann einen zauberhaften CP mitten im Wald an. An 2 Seen, mit Sauna. Natürlich.😊Da wir grillen wollen, wird es zu spät für die Sauna. Je nördlicher wir kommen, um so russischer die Sanitäranlagen und umso heißer die Getränke 😉

Übrigens: wenn du im Osten Finnlands an der Tanke stehst und plötzlich ein Wagen neben dir hält; darin eine ältere lächelnde Dame sitzt, welche dich mit einem strahlenden „Guten Tag!‘ begrüßt und dann in feinstem Hochdeutsch einen netten Smalltalk mit dir hält, weil sie sich soo freut, ein Auto aus der Heimat zu sehen, dann ist dir klar wie klein diese Welt ist und wie wichtig es ist, friedlich miteinander umzugehen.

Unsere kulinarische Woche:

Hier könnt ihr euch  Finnische Bilder von uns anschauen.

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